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„Rockpalast - Peter Rüchels Erinnerungen“ (2009)

Peter Rüchel war der Mann, der mit seinem engagierten WDR-Team (u.a. Regisseur Christian Wagner) in den 1970er und 1980er-Jahren Rockmusik fürs Fernsehen salonfähig machte. Und zwar als Live-Ereignis. Wir erinnern uns: Intime Studiokonzerte (Procol Harum, Mink de Ville, Ian Dury), die unvergessenen Rockpalastnächte (Rory Gallagher, Johnny Winter, The Who), später dann Rocklife, Open-Air-Events auf der Loreley, die Bizarre-Festivals, Prince via Satellit, MIDEM-Konzerte und viele, viele mehr.

 

Das „Rockpalast“-Buch (edel), aufgeteilt in den Kapiteln „Die erste Serie 1976-1986“ und „Die zweite Serie 1990-2003“ und im handlichen Großformat gefertigt, ist in erster Linie ein supertoller Fotoband (Manfred Becker, Thomas von der Heiden, Rainer Leigraf) und lässt uns nochmal teilhaben an der starken Atmosphäre der verschiedenen Live-Shows. Die Storys (es gibt neben Rüchels Geschichten auch interessante Gastbeiträge u.a. von Tobias Günzel oder Wolfgang Niedecken) stecken voller Emotionalität für die Sache, berichten detailverliebt u.a. von den Anfängen, von der Arbeit vor und hinter der Bühne, von den Treffen mit den Bands und auch davon, als ab 1983 eine Sendung wie „Formel Eins“ der Live-Musik in der Flimmerkiste den Todesstoß versetzte. Rüchel findet zudem kritische Worte zu seiner Arbeit und besonders zur „Rockpalast“-Nacht 1985 mit den Bands The Armoury Show, Squeeze, Rodgau Monotones und Rubén Blades als Headliner – das absolute Desaster, weil`s mit Rock nix zu tun hatte.
Es ist ein Buch für Fans, klare Sache, aber auch eines für junge Menschen, die sich mal kompetent darüber informieren können, dass es nicht immer so selbstverständlich war wie heute, Rockshows auf allen Kanälen sehen zu können. Schon gar nicht zu einer Zeit, als es nur drei Fernsehprogrammen (!) gab. Mir haben die 208 Seiten einen vergnüglichen Trip zurück verschafft und ich wurde bestens unterhalten. Und dass ist übrigens regelmäßig so, weil`s eben kein Buch zum einmaligen Schmökern ist.

 

Peter Rüchel starb am 20. Februar 2019 im Alter von 81 Jahren.

 

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