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„Who's Side Are You On” von Matt Bianco (1984)

Diese einlullende Funk-, Samba-, Cha Cha Cha- oder Calypso-Soße, die sich auf einmal aus allen Lautsprechern ergoss, kam zwar immer jazzmäßig geschmackvoll gewandet daher, war allerdings so heuchlerisch wie die, die sie goutierten.

Diese überzuckert-süße, lässig-plätschernde Musik, die wohl immer nur im Saxofon-dominierten Terzett- oder Quintett-Format spielbar war, untermalte als Soundtrack doch nur den fragwürdigen Lebensentwurf der Young Urban Professionals. Jene Yuppies, die Mitte der 1980er-Jahre überall auftauchten und sich in ihrer Gleichgültigkeit aus Überzeugung mit einem Hauch von Luxus umgaben. Motto: „Lacoste es, was es wolle.“ Keine Ahnung, was die arbeiteten, aber scheinbar hatten sie neben Geld auch noch alle Zeit der Welt, wenn sie mit ihrer American-Express-Card und ihrem Filofax großspurig-gelassen so taten, als seien sie auf den Boulevards oder in den Straßenschluchten von Paris oder New York zuhause, dabei schlenderten sie doch nur durch die Fußgängerzonen in Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen-Buer oder Bottrop-Boy.
Mir ist noch bewusst, dass ich dort, wo die Hits „Whose Side Are You On“ oder „Half A Minute“ rund um die Uhr zu hören waren, immer viel Geld losgeworden bin. Nämlich in den schicken Cocktail- und Café-Bars, die wildwuchernd die Stadt überzogen und in denen farbenfröhliche Getränke wie Blue Curacao oder Roter Genever ausgeschenkt wurden, wo Marken wie Rémy Martin oder Pommery ihren festen Platz im Regal und auf dem Tresen hatten.
Cool Pop nannten Matt Bianco ihre Musik und die Band tat so, als ob der Sound das Erbgut großer Künstler in sich tragen würde, nämlich das von Miles Davis, Charles Mingus, Duke Ellington, Charlie Parker und so vielen anderen. Nichts von alledem stimmte. Cool-Pop war weder Hardbop, Bebop oder Jazz. Cool-Pop war einfach nur ein ganz schlechtes Zitat. Cool-Pop war so bedeutungslos wie ein Regentropfen, der vom Himmel auf die funkelnden Strass-Applikationen pastellfarbener Karottenjeans tropfte.

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