Ich gebe zu, ich habe häufig ein echtes Entscheidungsproblem, wenn ich Musik hören möchte. Denn, als ein Beispiel, nur weil die Sonne scheint, muss es nicht unbedingt fröhliche Musik von Gruppo
Sportivo, Lee Clayton oder den Good Rats sein. Gerne lasse ich mich dazu hinreißen, an solchen Tagen den traurigen Liedern von Leonard Cohen oder einem schwermütigen Werk von John Cale den Vorzug
zu geben.
Ich neige merkwürdigerweise auch dazu, ins Grüblerische zu versinken, wenn laue Lüftchen wehen. Und wenn’s richtig heiß wird und sich jener Raum aufheizt, der mir als Musik-Kemenate dient, können
sich durchaus gefühlsmäßige Schübe einstellen, die eher eine negative Tendenz haben und mich dazu verführen, nicht nur den Sinn der Welt, sondern erschreckenderweise auch den Sinn meines
Plattensammelns infrage stellen.
Schnell fort mit solchen Gedanken, denn immerhin bilde ich mir ein, dass meine Sammlung querbeet durch die Stile und Jahre Exemplare beinhaltet, die stilbildend, wahnsinnig wichtig, wegweisend
und, im pophistorischen Kontext betrachtet, absolut relevant und notwendig sind, um sie besitzen zu müssen. Allerdings gebe ich auch zu, dass ich wahrlich nicht mit jeder Platte oder CD ein
intimes Verhältnis gepflegt, sie zum Teil auch nicht gehört habe. Oder nur teilweise. Mal kaufte ich gezielt und bewusst, mal nur wegen eines beeindruckenden Covers, dann nur deswegen, weil ich
die Musiker aus anderen Band-Konstellationen her kannte. Anschlusskäufe sind dabei oder auch Rückwärtskäufe. (...)
Die komplette Kurzgeschichte ist auf meinem You-Tube-Kanal als Hörfassung verfügbar. Bitte hier klicken. Die Story stammt aus meinem Buch Runde Dinger. Erhältlich ist das Buch (Print und E-Book) online und natürlich auch im stationären
Buchhandel.